|
deutsch FAS FAS
Day FAS Europe Texte & Gedichte Erfahrungsberichte Ratgeber
français SAF/EAF
FAS
Europe
Textes & Poêmes
Expériences
english FAS
FAS
Day
FAS
Europe
Texts & Poems
Advice
rainbow Presse Guestbook
Links
Books
Edition
Contact
Mainpage
dedicated to Ann Gibson
design by
lmh |
|
Erfahrungsberichte
Am 12. Januar 1989 klingelte bei uns das Telefon und unsere Sozialarbeiterin war dran.
Gleich sagte sie:
"Frau G., wir haben ein 4 Monate altes, alkoholgeschädigtes Kind in der Kinderklinik, das am Montag ins Kinderheim gehen
soll, wenn sie es nicht aufnehmen!"
Wir haben sofort zu gesagt und bereiteten uns vor, um unser neues Familienmitglied zu begrüßen.
*H. wog damals 3500 Gramm und war knapp 50 cm gross. Bei der Geburt wog sie 1600 gram und war 42 cm gross.
Sie sah aus wie ein Neugeborenes und hatte, komische, weise und sehr alte Gesichtszüge, welche typisch für FAS-Kinder sind.
Sie sah aus wie ein Greis in dem Körper eines Babies. Eine Woche später nachdem, wir gelernt hatten ihr eine Magensonde
zu legen, durften wir die kleine H. mit nach Hause nehmen. Damals hatten wir oft vom Fetalen Alkoholsyndrom gehört, waren
aber wie viele andere immer noch der Meinung, dass dieses Kind "nur ein bißchen zurück geblieben war".
 | Unsere Sozialarbeiterin sagte uns damals: "Diese Kinder sind in der Regel 4 Jahren zurück, aber wenn man überlegt dass
sie dann mit 24 so aussähe wie eine 20 jährige, war das nicht so schlimm!"
Was wurde ich heute alles dafür geben, wenn es so sein könnte! Damals haben alle so gedacht, nur Dank der Langzeitstudien,
wissen wir heute dass es nicht so ist. Die ersten sechs Monate waren sehr schwierig, sie wollte nichts essen und hat,
ohne Übertreibung, 20 von 24 Stunden nur geschrien! Zum Glück hatte mein Mann damals Schichtdienst und so konnten wir
uns immer mit dem Schlafen abwechseln. Zu dem Zeitpunkt war ich ein schlafloses Bündel Streß. H. schlief nie, schrie nur,
wollte nichts essen. Alle meine Erfahrungen als Mutter brachten mir nichts. Jede Mahlzeit war ein Kampf, den ich leider
oft verlor. Als sie älter wurde, war es normal, zweieinhalb Stunden, damit zu verbringen, ihr 3 Löffel Babybrei in den
Mund zu schieben. Da H. dazu auch noch eine Gaumenspalte hatte, kam das Meiste vom Essen wieder aus Ihrer Nase!
Ihre Magensonde nahm sie dauernd raus und ich hatte, langsam aber sicher, das Gefühl, dass sie mich haßte.
|
Voller Enttäuschung hatte ich mich damit abgefunden, dass wir mit FAS allein dastanden und versuchte das Beste daraus
zu machen. Mein einziger Trost war der "Ratgeber zur Alkoholembryopathie"; dieses kleine Büchlein war inzwischen meine
Bibel geworden... Eine Mutter erzählte darin genau die Geschichte über die Essprobleme, die wir mit H. hatten.
Dort stand auch drin, dass diese Kinder nicht auf zupäppeln sind, viel weniger zu essen brauchen als normale Kinder und
ihre Essgewohnheiten fast als "normal" anzusehen sind. Sie schrieb, dass Ihre Einstellung sich geändert hätte und
seitdem, auch wenn nichts gegessen werde, könnte sie trotzdem sagen "Essen, kein Problem!". Das habe ich mir wirklich
zu Herzen genommen und von da an ging alles viel einfacher. Meine Angst, dass sie verhungern würde, war wie weggeblasen
und meine neue Gelassenheit hat sich auf H. übertragen so dass die Mahlzeiten von nun an friedlich verliefen.
Als sie ca. 3 Jahre alt war haben wir entdeckt, dass sie Mandarinen mochte. Die Mandarine dürfte sie erst essen, wenn sie
das restliche Essen gegessen hatte. Von da an hat sie immer aufgegessen.
|
Mit 4 ging sie in den Kindergarten, dort verbrachte sie die bestimmt glücklichsten Jahre Ihres Lebens. Obwohl sie immer
die Kleinste war, war sie dort als "Boss" bekannt. Die Erzieherin hat uns einmal erzählt, dass sie noch nie ein
selbstbewußteres Kind gesehen habe. Trotz einem starken Sprechfehler, war sie akzeptiert und sie freute sich immer
dorthin zu gehen. Als sie mit fast 7 Jahren zur Schule gehen sollte, hatten wir es geschafft, dass sie doch noch ein
Jahr im Kindergarten bleiben dürfte. Der Schulpsychologe hat uns damals erklärt das H. eigentlich in eine Schule für
geistig Behinderte gehöre, was uns sehr bestürzte. Wir wußten, dass sie, verglichen mit den andern Kindern,
zurückgeblieben war, wir hatten aber immer gehofft, wir könnten sie zu einem "normalen" Kind machen. Nach dieser
Untersuchung haben wir zum ersten Mal erkennen müssen, dass FAS ein Lebenlang bleibt und nicht weg zu bekommen ist.
Sie ging dann mit fast 8 Jahren nicht in eine G. Schule, sondern Dank unserer guten Verbindungen zur einer dänischen
Schule, in eine Sonderklasse, in der gleichen Grundschule mit ihren Kindergarten -freunden. Kurz nachdem sie in die
Schule ging, bekamen wir unsern ersten Computer, gleich setzte ich mich hin und suchte alles, was ich über FAS
finden konnte. Nach nur ein paar Tagen fand ich eine englische Selbsthilfegruppe für FAS. Endlich waren wir nicht
mehr allein! | |
Nach all den Jahren, auf der Suche nach Infos, hatten wir auf einmal, so viel gefunden, dass es Monate dauerte um alles
durchzulesen. Viele Sachen, die wir glaubten, dass sie nur auf H. zutrafen, trafen fast alle auf FAS Kinder zu.
Ihre Wutausbrüche, ohne erkennbare Gründe, ihre Kälteempfindlichkeit, so schlimm, dass sie mitten im Sommer noch mit
dicken Pullis herumlief, kam bei anderen Kindern auch fast immer vor. Je älter H. wurde um so mehr fiel ihre
Behinderung auf. Mit der Schule ging es langsam aber sicher den Berg ab. Unser kleiner Sonnenschein wurde immer mehr
gehänselt, dass sie ein "Oma" oder "Affen" Gesicht habe, dass sie zu klein sei, dass sie nicht ordentlich reden könne,
trotz jahrelanger Sprachtherapie... Sie fing an mit gebeugtem Kopf herum zu wandern, damit keiner ihr Gesicht sah.
Sie sprach keinen Menschen mehr an, den sie nicht so gut kannte und zog sich immer mehr zurück und wollte auf keinen
Fall auffallen. Sie hat sich bis zu dem Zeitpunkt immer gut in der Schule benommen und wurde jetzt aber immer
frustrierter, als sie selbst bemerkte, dass sie sich vieles einfach nicht behalten könnte. Sie hat immer alles gegeben,
aber ihr Gehirn machte einfach nicht mit.
 | Mit 8 Jahren hat sie wiederholt gemeckert, dass sie so klein sei, 115 cm.
Die täglichen Wachstumsspritzen hat sie immer gerne bekommen und sie merkte selber wie sie auf einmal zu wachsen anfing.
Heute mit 14 (149 cm) freute sie sich über jeden neuen Zentimeter. Sie hat vor 2 Jahren eine "Sprachverbesserungs"
Operation durchgemacht, wo ihr Rachen völlig umgebaut worden ist, um ihre Sprache zu verbessern. Heute freut sie sich
sehr, dass sie viel besser sprechen kann, auch wenn sie immer noch Angst hat, Fremde anzureden. H. liebt Pferde und
glücklicherweise wohnen wir genau neben einem Reiterhof. Dort verbringt sie jeden Nachmittag, sie besitzt ein eigenes
Pony, das sie heiß und innig liebt. Obwohl sie erst mit 10 Jahren sagen konnte, dass an der Hand fünf Finger sind,
kann sie einem alles über Pferden erzählen.
Hier hat sie scheinbar keine Erinnerungslücken! Sie wird auf dem Hof
völlig akzeptiert und ihre Hilfe wird auch gern, von erwachsenen Pferdebesitzern, angenommen, weil sie so gut mit
Tieren umgeht. Hier findet sie die Bestätigung ihres Könnens, das sonst überall fehlt. Sie ist sogar bei den letzten
3 Turnieren plaziert worden, was für so ein Kind ein riesen Schritt ist. |
Probleme gibt es trotzdem, beim Springen vergißt sie oft die Reihenfolge, da sie die Nummern so schnell nicht erkennen kann und ist dann so sauer auf sich,
dass manchmal der Ausdruck "Blöder Alkohol" aus ihr heraus sprudelt. "Warum bin ich so auf die Welt gekommen,
warum bin ich nicht so wie die anderen Kinder?" Es war für sie ein große Erleichterung zu wissen das sie keine
Schuld daran hat, wenn sie immer wieder was vergißt usw. Sie hat vorher gedacht sie wäre einfach "blöd", was für
sie ein große Last war. Als sie es verstanden hat, woher es kommt, sagte sie einmal zu mir "Mama, du mußt allen Leuten
schreiben und sagen das sie kein Alkohol trinken sollen wenn sie schwanger sind, sonst kriegen die, Kinder wie ich und
das ist fies und gemein!" Mit ihren 14 Jahren kann H. kaum lesen und schreiben (ca, 2-3 Klasse).
Alles ist Abstrakt, Zeit, Geld, Mathe sind wie Fremdsprachen für sie und bereiten ihr immer mehr Schwierigkeiten.
Sie hat seit kurzem einen Behindertenausweis mit 60 % mit B (Begleitung) und H (hilflos) darauf. Sie ist nun voll in der
Pubertät und Ihre Wutausbrüche haben sich nur verstärkt. Sie ist meistens ein sehr fröhliches Mädchen, mit tollem Humor.
Ihre Aussprache wird immer besser und verständlicher, was für ihr Selbstbewußtsein nur gut ist. Sie hofft später hier,
auf dem Hof arbeiten zu können als Stallmädchen, was auf alle Fälle besser für sie wäre, als in irgendeiner geschützten
Werkstatt zu arbeiten. Hoffentlich erfüllt sich ihr Wunsch! Eins ist sicher, wir werden dafür kämpfen!
Ann Gibson www.fasworld.de
Adoption war ...
Zustand Verwahrlosung, 6 KG, 69cm, Kopf 41, Ohr verklebt links/Notarzt noch in Moskau
Antibiotikatherapie. Fast keine Haare auf dem Kopf.
|
Bindungslos, ging nur an der Wand entlang, kratzte und lutschte alles durch. Massive Geräuschkulisse mit stereotypem
Heulen. Steroetype Bewegungen. Wurde zugänglicher, wenn man Action machte, sehr neugierig, aber nur an der Oberfläche.
Drehte alles was es zu drehen gab. Bindungslos, ging weg ohne sich zu vergewissern ob wir überhaupt da sind. Schaukeln
und Rutschen oder Geräusche waren interessanter.
|
Wieder in S, chronische Otitis, Notarzt, nach 3 Wochen jaulen über den ganzen Tag und stereotypes kratzen, keine
Möglichkeit sie aus der Situation zu holen. M. verweigerte sich grundsätzlich, wollte drehen und kratzen. Lief
orientierungslos durch die Gegend. Keine Möglichkeit sie abzulenken. Das ging 8 Monate so. Ich stellte sie dem
Homöopathen vor, sie bekam Magnesium Carbonicum C 1000, dann aufhören mit dem Jaulen und sie wurde zugänglicher,
lernte Steckspiele, oder Kette einfädeln. Sprache wollte sich nicht einstellen, es blieb bis heute bei Geräuschen.
Sehr bockig und verweigernd.
Kein Interesse an Arbeiten, z.B. Immitieren von Kochen. Hauptsächlich Klettern, sehr
geschickt, auch beim Essen, gesunder Appetit, hauptsächlich auf Brot und Kohlehydrate. Finger in ständiger Bewegung,
schraubt und macht stereotype antipbewegungen. Versucht auch mit fixierendem Blick mich damit zu provozieren, wenn
sie was nicht machen will. Ist fixiert auf den der ihr das beste Programm bietet, kriegt sie es nicht, dann
Kopfschlagen, bodenfallen lassen aufstampfen oder Tischhauen. Drückt den Finger auf den Tisch bis ein
gräßliches Geräusch entsteht. Immitiert Tiere, Perfekt Seehund, hört sich an wie ein Schimpanse. Beim Weinen läuft
Speichel aus dem Mund, beim essen jedoch nicht. | |
Fast keine Gesichtsmimik, Sprache gepreßt, Schreie bei Verneinung.
Beim Lachen verzieht sich der Mund zu einer Grimmasse. Kann über den toten Punkt gehen, dreht dann immer mehr trotz
Müdigkeit auf. Kann sich aber freuen, wenn ihr was gelingt. Kann gut Leute ausspielen, sucht sich Leute, die ihr
Programm machen. Sehr fixierender Blick. Ständig in Bewegung. Neue Sachen will sie nicht beginnen, lieber zuschauen,
sehr schwer und unter Druck zu irgendwas zu bewegen. Triftet dann irgendwann ab um sich der Stereotypie zu widmen.
Schmerzunempfindlich, Wahrnehmungsstörungen. Panik vor weißen Kitteln und Gummihandschuhen und Lichtquellen.
Es geht nur mit ganz klaren Grenzen. Schläft durch, braucht aber manchmal bis zu 2 Stunden um in den Schlaf zu finden.
Große Liebe zur Musik, tanzt gerne, summt die Melodie Hänschen Klein, tanzt zu Bibabutzemann.
|
Kopfumfang noch immer unter der Percentile, jedoch auf 47 cm gewachsen (sichtbar gut nach der Gabe von Magnesium
Carbonicum) sehr kleine Füße Größe 23. Bei 88 cm. Ich will auch nochmal ausdrücklich schreiben, daß Magnesium
Carbonicum hier die Wende brachte, da das Zusammenleben mit M. unerträglich geworden ist. Das hätten wir keinen
Monat mehr durchgehalten. Zur Info: Mag Carb. ist ein Mittel, das bei Waisenhäusern vor 100 Jahren eingesetzt wurde,
wenn die Säuglinge Gedeihprobleme hatten, der Kopf athropierte und die Sterblichkeitsrate hoch war.
Ein typisches Mittel für Waisenkinder und Deprivation. Das nächste Mittel, welches ich aber meinem Homöopathen überlasse
könnte Opium sein. Opium ist das Mittel, was nach den Folgeerscheinungen nach Alkolmisbrauch gegeben wird,
also FAS oder FAE. |
FAS,FAE-Kind,
geboren 1991, männlich, 1994 dem Elternhaus entzogen, danach Unterbringung im Heim.
1995 Unterbringung in einer Pflegefamilie, welche weder über die Behinderung des Kindes aufgeklärt wurde,
noch FAS AE kannte.
Aufnahmestatus:
Alter 4 Jahre, minderwüchsig, untergewichtig, Hospitalismus, Tremor, gestörte Feinmotorik, gestörte Grobmotorik,
gestörte Wahrnehmung.
Versunken in sich selber, lange Depressionsphasen, Trennungsängste, Schlafstörungen, katastrophales gesellschaftliches
Verhalten, gestörtes Sozialverhalten, Distanzlosigkeit, autistisch anmutendes Spielverhalten, kaum Sprachschatz,
kein Gefahrenbewusstsein.
Facharzt für Kinderheilkunde stellt 1998 folgende Diagnose:
Bei XXX ergibt das Gesamtbild von körperlicher, geistiger und affektierter Entwicklung die Diagnose einer
Alkoholembryopathie 3. Grades.
Sozialpädiatrisches Zentrum diagnostiziert im Jahr 2001:
Embryofetales Alkoholsyndrom
Momentaner Status:
minderwüchsig, kleinköpfig, untergewichtig, Skoliose, gestörte Feinmotorik, gestörte Wahrnehmung, bei Anspannung Tremor,
bei Anspannung Hospitalismus.
Lebensalltag:
sehr mangelhafte Körperhygiene Auswahl der Bekleidung selten adäquat Nahrungsmittelauswahl stereotyp
Antriebschwäche extreme Stimmungsschwankungen Konzentrationsschwächen
kleinkindhaftes Benehmen Zappeligkeit keine altersgerechten Freundschaften kann sich bei Gleichaltrigen nicht durchsetzen
Gleichgewichtsprobleme beim Fahrradfahren massive Probleme beim Skaten ungelenker Bewegungsablauf trotz Dauerergotherapie seit zwei Jahren
krakelige Schrift kein Verhältnis zu Geld Bastelarbeiten und Bilder nicht altersgerecht
Interessenlage nicht altersgerecht Spielverhalten nicht altersgerecht Verhalten im Straßenverkehr nicht altersgerecht
Neigung zur Selbstgefährdung kaum Hobbies ungewohnten Anforderungen selten gewachsen
häufigste benutzte Wörter: was ist das, warum und wieso lebenspraktische Ereignisse und Gegebenheiten werden generell neu hinterfragt
sehr subtiles Verhalten und Denkschema Ereignisse werden reduziert gespeichert Erfahrungsschatz selten adäquat angewendet
eigenes Verhalten wird nicht hinterfragt Fehlverhalten selten korrigiert kaum Durchhaltevermögen
Distanzlosigkeit Zerstörung vieler Dinge durch unsachgemäßen Gebrauch (unabsichtlich)
extrem Leichtgläubig
Alter: in drei Monaten 12 Jahre alt.
Prognose:
Soll den Pflegeeltern auf Grund obig geschilderter Auffälligkeiten entzogen werden.
Nicht, weil sich die Pflegeeltern durch das Kind überfordert fühlen! Einfach weil die Schule des Kindes und das
Jugendamt die Behinderung FAS/FAE nicht akzeptieren und daher lieber die Pflegeeltern für die Probleme des Kindes
verantwortlich machen.
Autorin: Ina Zahlten
Zu Risiken und Nebenwirkungen
Auch wenn übermäßiger Alkoholkonsum zu mildernden Umständen bei Gerichtsverfahren führen kann:
In Zeiten des legalen Alkoholkonsums ist es verboten, jemandem zu schaden während du Alkohol konsumierst.
Du darfst mit Alkohol nicht Auto oder Fahrrad fahren - erwischt dich die Polizei dabei und du hast nur ein wenig
Promille zuviel ... nehmen sie dir die Erlaubnis zum Fahren.
Schlägst du im Rausch eine Flasche auf den Kopf eines Menschen und er bleibt für den Rest seines Lebens behindert...
nehmen sie dir dein Recht auf Freiheit - du musst ins Gefängnis. Wenn nicht beim ersten Vergehen - dann spätestens bei
der Wiederholung.
Trittst du im Rausch jemanden derart in den Körper, dass seine Organe langfristigen Schaden nehmen ... können sie beim
ersten Mal vielleicht nur eine Bewährung auferlegen, beim nächsten Mal gehst du dann doch ins Gefängnis.
Wenn du irgend jemandem immer wieder Schaden zufügst und ihm damit dauerhaft seine Lebensqualität beeinträchtigst...
wirst du es nicht ungestraft tun.
Du denkst nun: ja, das ist okay so - so jemand muss bestraft werden - so etwas darf einfach nicht passieren.
Niemand hat das Recht jemanden zu schaden.
Denkst du auch so über den Genuß von Alkohol in der Schwangerschaft???
Jeder Drink während der Schwangerschaft tut einem ungeborenem Kind nämlich genau das an, was du eben noch kritisiert
hast!!!
Ina`s Homepage - YourNet24
Schulische Bilanz eines 8 jährigen FAE-Kindes
Name X.Y.
X ist gut selbständig. Das Kind ist beim Sichwaschen, An- und Ausziehen u.s.w. nicht auf fremde Hilfe
angewiesen.
Das Kind weiss sich gut zu helfen und ist auch sehr hilfsbereit, wenn er/sie sieht dass ein anderes
Kind Hilfe braucht beim Verrichten der alltäglichen Handgriffe.
Da X langsam isst, sich beim Essen vom Geschehen an den anderen Tischen leicht ablenken lässt oder
viel zu erzählen weiss, wird sein/ihr Essen meistens kalt.
X ist sehr mitteilungsfreudig, da X die Wörter nicht richtig ausspricht, kommt es oft zu
Verständigungsschwierigkeiten.
Zu Beginn des Schuljahres sprach X sehr wenig, hörte aber immer interessiert zu.
X macht gute Fortschritte im schulischen Bereich. Dabei ist das Kind vor allem am Rechnen interessiert.
Das Schreiben der Zahlen, sowie der Buchstaben bereitet ihm/ihr jedoch grosse Schwierigkeiten.
Das Kind drückt sehr fest auf den Bleistift (Verkrampfung) und das Einhalten der Linien stellt eine
hohe Anforderung an ihn/ihr.
Er/Sie kann einige Wörter ganzheitlich lesen und abschreiben. Das Schreiben im Heft erfordert jedoch
grosse Anstregungen und Konzentration von ihm/ihr.
Beim exakten Ausführen der Schneidearbeiten mit der Schere hat X einige Probleme, dabei gibt er/sie
sich aber die grösste Mühe seine Arbeiten sauber auszuführen.
X ist sehr ehrgeizig, was seine/ihre motorischen Leistungen anbelangt. Er/Sie will immer noch mehr
schaffen. Unermüdlich bis zur Erschöpfung hin führt er/sie alle Bewegungsspiele aus.
X kennt die meisten Teile des Körpers und kann sie auch benennen. Er/Sie kann einfache Rythmen
wiedergeben.
X kann zwischen Essbarem und Nichtessbarem unterscheiden. Er/Sie hat einige Grundkenntnisse über die
Gefahren des Alkohols, des Tabaks, der Drogen.
X ist durch sein freundliches Auftreten bei allen Kindern und Erwachsenen beliebt. Er/Sie ist sehr
anhänglich und kontaktfreudig (Körperkontakt). Er/Sie ist höflich und sagt Bitte und Danke, wenn
er/sie was haben will.
X ist sehr einfühlsam und sensibel was seine/ihre eigene Person, sowie seine/ihre Umgebung anbelangt.
X besitzt einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn.
X sammelt alles was er/sie findet, es fällt ihm/ihr schwer Ordnung zu halten. Unter seiner/ihrer
Schulbank resp. in ihrer/seiner Schultasche herrscht ein regelrechtes Chaos.
Er/Sie ist bemüht guten Eindruck zu machen und zu gefallen. Er/Sie verträgt es nicht wenn man Kritik
an ihm/ihr ausübt.
Was geschah mit Colette ?
Von Bonnie Buxton (Elm Street) - Reader’s Digest, Das Beste, November 2000
Als Kind war Colette aufgeschlossen und freundlich, aber seit der Pubertät geriet sie auf die schiefe Bahn.
Verzweifelt fragten sich die Eltern warum.
Diese Frage beherrschte unsere Gedanken. Sie trieb uns unaufhörlich um, bis wir schliesslich die Antwort
fanden: Das Leben unserer Tochter Colette ist belastet durch das verhängnisvolle Erbe ihrer leiblichen
Mutter, die während ihrer Schwangerschaft über die Massen Alkohol konsumiert hat.
Auch im Dezember 1997, als ich an einem Nachmittag mit dem Auto unterwegs war, kreisten meine Gedanken
um unser Sorgenkind. Ich fuhr Richtung Queen-Jarvis-Kreuzung, eine verrufene Gegend in Toronto.
Da entdeckte ich auf der Strasse vor mir fünf junge Leute mit Fensterwischern. Eine von ihnen war unsere
18-jährige Tochter Colette. Ich drückte auf die Hupe. Sie sprang zu mir ins Auto, schenkte mir ihr
strahlendes Lächeln, mit dem sie schon als Baby mein Herz verzaubert hatte. Für kurze Zeit vergass ich
darüber den Ärger mit ihr: das viele Geld, das sie uns gestohlen hat, um sich Drogen zu besorgen.
All die Lügen, die sie uns auftischte. Wir fuhren gut gelaunt zu einem nahem Schnellrestaurant, und meine
wohnungslose Tochter erzählte mir von ihrem Leben auf der Strasse.
Mein Mann Brian und ich kennen Colette seit ihrem zehnten Lebensmonat. Sie war wegen der Alkoholprobleme
ihrer leiblichen Eltern bei der selben Familie in Pflege, bei der auch unsere ältere Tochter bis zu ihrer
Adoption gelebt hatte.
Und weil wir weiterhin Kontakt zu den Pflegeeltern hielten, lernten wir sie kennen. Ihr quirliges
Temperament, ihre grossen braunen Augen, der blonde Wuschelkopf und das ansteckende Lächeln hatten es uns
sofort angetan.
Als Colette mit drei Jahren zur Adoption freigegeben wurde, ergriffen wir die Chance. Von der
Jugendbehörde erhielten wir die Auskunft, dass der Alkoholismus der Eltern keinerlei Auswirkungen auf
Colettes Entwicklung habe. Sie war ein waches, energiegeladenes und für ihr Alter grosses Kind; nur ab
und zu litt sie unter Ohrenschmerzen, und man hatte ein schwaches Herzgeräusch bei ihr festgestellt.
Sie liebte Hunde und Pferde, hörte gern Geschichten, kletterte mit Begeisterung auf Bäume. Bekam sie
dabei eine Schramme ab, dann nahm sie es klanglos hin.Wir liessen Colette viel Freiheit und schimpften
nur selten, auch wenn sie im Spieleifer vergass, auf die Toilette zu gehen, wenn sie bei minus 20 Grad
ihre Jacke partout nicht zumachte, wenn sie nur süsse und fettreiche Speisen essen wollte. Wir nahmen es
auch nicht weiter tragisch, wenn sie uns mit Unschuldsmiene erklärte, dass die Schokolade ihrer Schwester
von alleine aus der Schublade verschwunden sei. Sie war ja erst vier Jahre alt, sagten wir uns und
erklärten ihr immer wieder geduldig den Unterschied zwischen Mein und Dein.
Im Kindergarten und in der Vorschule mochte man sie; die Erzieherinnen lobten ihre umgängliche Art
und ihren erstaunlich grossen Wortschatz. Trotzdem konnte sie nach dem ersten Schuljahr noch nicht lesen
und mit grösster Mühe in Druckbuchstaben schreiben. Tests ergaben dass sie eine Lernschwäche hatte, auf
anderen Gebieten aber überdurchschnittlich begabt war. Die Lehrer meinten, sie würde mit gezielter Hilfe
gute Leistungen erbringen können.
Mit zehn Jahren, kam Colette in die Pubertät, und von da an nahmen die Schwierigkeiten mit ihr zu.
Beinahe täglich stahl sie uns Geld aus dem Portemonnaie. Sie wurde unzugänglich,schrie uns an: ,,Ihr seid
nicht meine richtigen Eltern!“,knallte die Tür zu. In meiner Ratlosigkeit wandte ich mich an das
Kinderkrankenhaus in Toronto.
Ein Psychiater führte ein kurzes Gespräch mit unserer Tochter und sagte, sie sei völlig normal.
Möglicherweise seien unsere Erziehungsmethoden falsch. Daraufhin gaben wir uns besondere Mühe.
Wir nahmen an einer Familienberatung teil, chauffierten Colette zu Schwimmveranstaltungen, schickten sie
in die Ferien auf einen Reiterhof, kauften ihr einen Hund. Aber alles ohne Erfolg. Eines Tages meinte
ein Freund von uns, der früher Alkoholprobleme hatte, dass Colette womöglich an einem fötalen
Alkoholsyndrom oder der abgeschwächten Form einer FAE leiden könnte. Ich glaubte nicht daran.
Schliesslich hatte ich bei allen Untersuchungen erwähnt, dass Colettes Mutter Alkoholikerin war.
Und nicht einer der Fachleute hatte das für bedeutsam gehalten. Das Zusammenleben mit Colette wurde
für uns mit der Zeit immer schwieriger. Mit 14 trieb sie sich nächtelang mit Männern herum,
nahm Drogen, bekam Tobsuchtsanfälle, wurde gegen uns gewalttätig. Einmal bedrohte sie sogar ihre
Schwester mit dem Messer. In meiner Not rief ich die Polizei und zeigte sie an. Die steckten Colette
für eine Nacht ins Gefägnis, aber unsere Tochter war dadurch nicht lange zu beeindrucken.
Mein Mann und ich waren zermürbt und verzweifelt. Uns konnte nur noch ein Wunder helfen. Hoffnung gab
uns schliesslich das C.-M.-Hinks Therapiezentrum, wo man geistig und psychisch gestörte Teenager
behandelt. Im September 1994 erklärte sich Colette bereit, an einer zweijährigen Therapie auf der
staatlich geförderten Hincks-Farm teilzunehmen. Fern von der Drogenszene und ihrem gewohnten
Srassenleben kam sie dort tatsächlich zur Ruhe. Sie arbeitete freiwillig in einem nahe gelegenen
Reitstall und beendete die neunte Schulklasse. Auch während den Wochenenden zu Hause benahm sie sich gut.
Nach ihrer Rückkehr erlebten wir mit Colette eine kurze harmonische Zeit. Doch nur bis zum Februar 1997
dann ging wieder alles von vorne Los: Sie stahl Geld, nahm Drogen, kam häufig nachts nicht nach Hause.
Aber jetzt war sie 17 Jahre alt und wir waren noch hilfloser als zuvor.
Im März desselben Jahres sah ich im Fernsehen ein Interview mit einem 27- jährigen Mann aus der
kanadischen Provinz Britisch-Koumbien. Bei ihm hatte man vor kurzem die Diagnose FAE gestellt,
verursacht durch die Trunksucht seiner Mutter. Die Symptome des jungen Mannes waren diesselben
wie bei unserer Tochter Colette; er log, stahl, war drogenabhängig, hatte anscheinend keine Skrupel.
Auch Ähnlichkeiten in seiner Ausdrucksweise und seinem Verhalten waren verblüffend.
Ich machte die Ärztin ausfindig die ihn untersucht hatte: Dr.Christine Loock in Vancouver.
Nachdem sie von Colettes Geschichte gehört hatte, meinte sie, dass durchaus Verdacht auf FAE bestehe.
Auf ihren Vorschlag hin informierte ich mich im Internet eingehend über FAS und FAE. Ausserdem schloss
ich mich einer Online-Selbsthilfegruppe an. Meine Freunde im Netz, durchweg Betroffene und
mittlerweile alles Fachleute auf diesem Gebiet, waren und sind für mich eine sehr grosse Stütze.
Eines aber machte mich bei allen meinen Nachforschungen stutzig. Warum waren die Ärzte und
Therapeuten, die ich befragt hatte, nie auf meine Vermutungen eingegangen, hatten nie ernsthaft
FAE als eine mögliche Ursache von Colettes Problemen in Erwägung gezogen? Seit längerer Zeit schon
ist bekannt, dass Alkohol in der Schwangerschaft die Schranke der Plazenta überwindet, dass also der
Fötus „mit-trinkt“ wenn seine Mutter Alkohol konsumiert. Handelt es sich dabei um unzuträgliche
Mengen, dann kann die Folge eine Beeinträchtigung der Hirnentwicklung des Kindes sein. Heute weiss
man noch mehr; nämlich dass übermässiger Alkoholgenuss der Mutter eine der häufigsten Ursachen ist,
wenn ein Kind in seiner geistigen Entwicklung zurückbleibt.
Mir war klar, dass Colette nicht unter FAS litt. Diese Krankheit führt zu geringer Körpergrösse,
kleinem Kopfumfang und niedrigem IQ, unsere Tochter war körperlich fit, hatte gute verbale Fähigkeiten.
Doch die Symptome von FAE, also der milderen Fötalen Alkohol Auswirkung, kamen mir dagegen nur zu
bekannt vor. In das Bild passten die schwachen Herzgeräusche von Colette und ihre häufigen
Mittelohrentzündungen. Auch ihre zierlichen Hände und Füsse, die nicht in der richtigen Proportion
zum Gesamtkörper standen, gehörten dazu. Dass sie erst so spät ihre Blase kontrollieren lernte,
dass sie gegenüber Schmerz und extremen Temperaturen unempfindlich war und einen unstillbaren Appetit
auf süsse und fetthaltige Speisen hatte, all das konnten Anzeichen für geschädigte Rezeptoren im
Gehirn sein. Ebenso ihre frühe Neigung sich mit Sex, Alkohol und Drogen ihren Kick zu holen.
In einigen Informationsschriften stand, dass selbst ein ungewöhnliches breites Lächeln eines Babys
einen frühen Hinweis auf FAS oder FAE geben kann.
Endlich hatten Brian und ich das fehlende Puzzleteil gefunden. Auf Anregung von Frau Dr. Loock
bemühten wir uns darum, dass Colette in einem Krankenhaus auf FAE hin untersucht würde.
Aber man sagte uns, dass man an über 16 Jahre alten Jugendlichen in der Regel keine entsprechenden
Diagnose-Verfahren vornähme. Ich war darüber so entnervt, dass ich noch während des Telefonats
mit einer Ärztin in Tränen ausbrach.Verwirrt fragte sie :“Warum ist Ihnen denn die Diagnose so wichtig?
Ändern lässt sich dadurch doch auch nichts mehr.“
Inzwischen ging es mit Colette immer abwärts. Im Sommer 1997 zog sie zu einem 37-jährigen Mann und
einem älteren Paar in die Wohnung; alle waren alkoholabhängig und drogensüchtig. Einmal besuchte
Colette uns kurz zu Hause, dabei entwendete sie mein Scheckbuch und fälschte Schecks im Gesamtwert
von 2000 Dollar. Wir wussten uns nicht mehr anders zu helfen und haben ihr schliesslich das Haus
verboten. Damit der Kontakt aber nicht vollständig abriss, baten wir sie, uns öfter anzurufen.
Und regelmässig einmal in der Woche trafen wir uns mit ihr zum Mittagessen.
Obwohl es uns bisher nicht gelungen war, den Beweis dafür zu erbringen, waren wir nach wie vor
überzeugt davon, dass Colettes Verhalten eine krankhafte Neigung zugrunde lag. Auf jeden Fall musste
man zur Erstellung einer Diagnose nachweisen, dass ihre Mutter während der Schwangerschaft übermässig
getrunken hatte, und deshalb wandte ich mich mit Colettes Erlaubnis an die Adoptionsbehörde des
Staates Ontario. Zufällig suchten zur selben Zeit Colettes leibliche Angehörige nach ihr.
Ihre Grossmutter lag im Sterben, und sie hatte den Wunsch geäussert, ihre verschollene Enkelin noch
einmal zu sehen.
So kam es Anfang September zu einem Treffen von Colette mit ihren Grosseltern und zwei Tanten.
Die bestätigten, dass Colettes Mutter während der Schwangerschaft häufig mehrwöchige Sauftouren
unternommen hatte. Ausserdem war sie Kettenraucherin gewesen und hatte Marihuana genommen.
Colette zeigte kein Interesse sie kennen zu lernen.
Im Oktober fuhren Brian, Colette und ich zu einem Genetiker im Süden von Ontario. Wir hatten eine
dicke Mappe mit Schulzeugnissen und anderen Dokumenten dabei, aber der Arzt wollte die Papiere
gar nicht sehen. Stattdessen mass er Colettes Kopfumfang und unterhielt sich mit ihr über ihre
beruflichen Pläne – sie wollte später einmal einen Reitstall aufmachen.
Dann sagte er, er sei nicht bereit, eine Diagnose zu stellen. Er räumte ein, dass übermässiges
Trinken in der Schwangerschaft negative Auswirkungen auf Colettes Entwicklung gehabt haben könnte.
Aber er wollte unsere Tochter nicht brandmarken, wie er sich ausdrückte, oder ihr eine
Entschuldigung für ihr Fehlverhalten liefern.
Mein Mann und ich waren wie vor den Kopf geschlagen. Wir verstanden die Auffassung des Arztes nicht.
Was hätte er uns denn gesagt, wenn Colette unter einem Hirntumor leiden würde? Hätte er uns dann
auch die Wahrheit vorenthalten? Wir wollten endlich Schluss machen mit nutzlosen Therapien und
Beratungen. Für uns war die Diagnose die einzige Möglichkeit, Colette und uns selbst weitere
Vorwürfe zu ersparen und nach neuen Wegen zu suchen.
Durch den Hinweis eines Freundes fanden wir schliesslich einen Arzt, der uns weiterhalf:
Dr. Ab Chudley Kinderarzt an der Universität Manitoba. Er hatte kurz zuvor mit einem Kollegen in
einem Eingeborenen Reservat in Manitoba an Schulkindern eine Studie über FAS und FAE durchgeführt.
Beide hatten festgestellt, dass ein überraschend hoher Anteil der Kinder- 46 Prozent - während der
Schwangerschaft starken Alkoholeinflüssen ausgesetzt gewesen war. Auf 10 Prozent von ihnen traf
die Diagnose FAS oder FAE zu.
Dr.Chudley erklärte sich bereit, unsere Unterlagen zu Colettes Fall durchzusehen. Er kam zu dem Schluss,
dass die Fülle von Indizien Colettes schulische Laufbahn, die frühen erziehungspsychologischen Tests,
ihre Babyfotos, ihr Verhalten und die Alkoholabhängigkeit ihrer Mutter – unzweifelhaft die Diagnose
FAE ergäben.
Seiner Meinung nach sei es unwahrscheinlich, dass Colette je auf Dauer berufstätig sein oder eine Familie
versorgen könnte. Er hielt es für sinnvoll, sie in einer geschützten, familienähnlichen Umgebung,
wo sie unter Kontrolle wäre unterzubringen.
„Solche Kinder“, schrieb er ,,haben eine neurologische Störung. Ihre Schwierigkeiten werden nicht durch
Faulheit oder mangelnde Kooperationsbereitschaft verursacht.“ Er schrieb allerdings auch gleich dazu,
dass bisher kaum öffentliche Mittel für die Unterstützung FAS/FAE-Geschädigter bereitgestellt würden.
Obwohl eine 1996 in den USA erfolgte Untersuchung ergeben hat, dass 95 Prozent der Menschen mit FAE
geistige und Verhaltensstörungen zeigten. Und obwohl ein Grossteil dieser Menschen in Gefägnissen,
Trinkerheilanstalten und in der Psychiatrie landet.
Colettes Diagnose nahmen wir mit einer gewissen Erleichterung auf. Denn nun wussten wir wenigstens,
dass ihre Probleme weder von ihr selbst noch von uns verschuldet waren. Aber wir waren auch traurig
über die vielen Enttäuschungen, die sie in ihrem jungen Leben schon hatte hinnehmen müssen. Und über
die trüben Aussichten für ihr weiteres Leben.
Im Januar 1998 schöpften wir neue Hoffnung. Plötzlich waren für Colette Herumtreiberei, endlose Partys
und Drogen nicht mehr interessant. Sie verliebte sich ernsthaft in einen Freund von der Strasse, und
beide wünschte sich nichts sehnlicher, als ein normales Leben zu führen.Wir halfen ihnen, eine kleine
Wohnung zu beziehen. Colette ging wieder zur Schule.
Am 22. November 1999 machte sie uns zu Grosseltern: Sie schenkte einem gesunden Jungen das Leben.
Allmählich beginnt sie, sich mit der Diagnose auseinander zu setzen. Sie hat mir gestattet, für diesen
Artikel ihren richtigen Namen zu benutzen.
Colette will damit der weithin unbekannten Krankheit ein Gesicht zuordnen. Und sie hofft, andere Frauen
vom Alkoholmissbrauch während der Schwangerschaft abzuhalten und den von FAS oder FAE Betroffenen
zu helfen.
|
|